Kunst an der Erkelenzer "Kö"

als Film- und Wortbeitrag

Weltgästeführertag:

Musik liegt in der Luft - Kunst an der Erkelenzer "Kö"

von Simone Palloni

 

Wenn der 21. Februar 2021 nicht in der Corona-Zeit" gefallen wäre, hätte ich an diesem Tag viele Besucher*innen von nah und fern an der Kölner Straße in Erkelenz willkommen geheißen. 

An diesem Tag feiert der Bundesverband der Gästeführer*innen in Deutschland (BVGD) den „Weltgästeführertag“ (WGFT).

Am "Weltgästeführertag" ergreifen die dem BVGD  angeschlossenen Vereine die Gelegenheit, um auf die Arbeit der Gästeführer*innen aufmerksam zu machen und bieten ihren Gästen eine besondere Veranstaltung an, die unter einem jährlich wechselnden Motto steht. 2021 hieß das Motto:

„Musik liegt in der Luft“.

Wir Gästeführerinnen von WESTBLICKE e. V. bringen den Menschen Geschichte und Geschichten des Heinsberger Landes nahe und zum WGFT laden wir bereits seit 15 Jahren zu einer kostenlosen Führung ein.

Das Thema „Musik“ gibt mir Gelegenheit auf drei Kunstwerke einzugehen, die hier an der Kölner Straße in Erkelenz stehen. So mancher eilt an ihnen vorbei, denn wie es so schön heißt: „Man sieht nur, was man weiß“.

 

Die Kölner Straße

 

Die Kölner Straße, die jeder Erkelenzer kennt und jeder Besucher gesehen haben sollte, wird liebevoll „Kö“ genannt.

Der Name erinnert an das frühere mittelalterliche Stadttor, dem „Kölner Tor“. Die Kölner Straße verbindet die Innenstadt mit dem Bahnhof und führt weit darüber hinaus. Erst als Erkelenz Mitte des 19. Jahrhunderts einen Bahnhof bekam, entwickelte sie sich zu einer pulsierenden Lebensader für die Stadt. Die aufstrebende Wirtschaft gab den Takt an.

Mit der Zeit benötigte die „Kö“ eine Auffrischung, denn aus dem früheren „Agile“ war zunehmend ein „Lento“ geworden.

2005 wurde den Bürgern eine erneuerte Straße übergeben mit niveaugleicher Pflasterung, Baumpflanzbeeten, neuer Beleuchtung und – nicht zuletzt – 12 Ausstellungssockeln aus Backstein.

Die „Kö“ ist von der Ecke Tenholter Straße bis zum neuen Amtsgericht nicht nur eine Einkaufs- und Flaniermeile, sondern auch eine Kunstmeile geworden.

Zuerst sollte die Attraktivität der „Kö“ durch wechselnde Kunstobjekte erhöht werden, später durch Dauerleihgaben. Mittlerweile sind die hier ausgestellten Kunstwerke Eigentum der Stadt und werden verbleiben.

 

Der Künstler

 

Musik lag in der Luft als der Erkelenzer Künstler Peter Sieben, seine drei hier ausgestellten Stahlskulpturen erschuf. Der Autodidakt war selbstständiger Stahlhändler und hatte seine Wirkungsstätte in der Erkelenzer Maschinenfabrik Helpenstein. Dem erklärten Blues- und Opernmenschen war es ein Bedürfnis seine Liebe zur Musik künstlerisch umzusetzen.

So entstanden Stahlskulpturen mit einem Höchstmaß von 2,40 Metern.

Sie zeigen Figuren aus der Opern-, Märchen- und Sagenwelt.

 

2014 hat Peter Sieben drei Skulpturen aus rostendem Baustahl zunächst als Leihgabe der Stadt überlassen. Ein Jahr später wurden sie von der Stadt angekauft. 

Peter Sieben lebt heute in Rath-Anhoven. Vom Parkplatz des Cafés 57 blickt man in seinen Garten, wo seine Kunstwerke von Besuchern und Kaufinteressenten besichtigt werden können.

 

Brünnhilde

 

Die erste Stahlskulptur stellt die Walküre Brünnhilde dar.

Die Figur stammt aus der Oper „Der Ring der Nibelungen“  von Richard Wagner - dem revolutionären und bis heute umstrittenen Komponisten des 19. Jahrhunderts.

25 Jahre lang hat Wagner an seinem riesigen Opernwerk gearbeitet. Es besteht aus einem Zyklus von vier Opern (Rheingold, Walküre, Siegfried und Götterdämmerung) mit einer Gesamtdauer von über 16 Stunden.

1876 wurde die Oper in Bayreuth in einem eigens dafür erbauten Opernhaus uraufgeführt.

Angelehnt ist das Musikwerk an die Nordische Sagenwelt:

Die Walküre Brünnhilde ist die Tochter des Gottes Wotan. Gemäß ihrer Bestimmung bringt sie die toten Helden vom Schlachtfeld zum Göttersitz Walhalla - womit das Schicksal des Kriegers beschlossen ist.

Als sich Brünnhilde weigert dem Befehl Wotans zu gehorchen und Siegmund nach Walhalla zu bringen, bezahlt sie das mit ihrer Göttlichkeit. Brünnhilde bestimmt mit ihrer Wandlung die weitere Handlung im Ring-Zyklus und somit auch die „Götterdämmerung“.

Ihr Gesang mit dem sich wiederholenden, steigernden „Hojotoho! Heiaha!“ durchfährt den Zuhörer durch Mark und Bein.

Brünnhilde steht für die starke, wehrhafte Frau, die ihren eigenen Weg geht.

 

Sarastro

 

Die zweite Figur ist die des Sarastro. Sie entstammt der Oper „Die Zauberflöte“ von Wolfgang Amadeus Mozart.

Sie wurde 1791 uraufgeführt.

Diese Oper gehört zu den wohl berühmtesten und am häufigsten aufgeführten Opern. 

Die Handlung spielt in einem sagenumwobenen Ägypten und ist letztlich ein Drama der Aufklärung:

Sarastro ist der Hohepriester im Tempel des Gottes der Sonne. Er hat Pamina, die Tochter der „Königin der Nacht“ entführt.

„Die Königin der Nacht“ beauftragt Prinz Tamino ihre Tochter aus den Fängen des von ihr verhassten Sarastro zu befreien. Das möchte der Prinz auch gerne tun, denn er hat sich bereits in sie verliebt als er ihr Porträt sah.

Er singt schwärmerisch: „Dies Bildnis ist bezaubernd schön“.

Ihm zur Seite steht das Vogelwesen Papageno, dessen leichte und einprägsame Arie sogar bei Kindern bekannt und beliebt ist:

„Der Vogelfänger bin ich ja…“.

Es stellt sich heraus: der eigentliche Bösewicht ist nicht Sarastro, sondern die „Königin der Nacht“.

Berühmt ist hier ihre an Raserei grenzende Arie „Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen“, als sie versucht ihre Tochter dazu zu bringen Sarastro zu töten. Ihre Stimme schwingt sich dabei in ungeahnte Höhen.

Sarastro hatte Pamina nur entführt, um sie dem bösen Einfluss ihrer Mutter zu entziehen und Schaden von ihr abzuwenden.

So steht Sarastro für das Licht, das über die Dunkelheit obsiegt. Er steht für die Freiheit und die Vernunft, für die Milde und die Gnade.

 

Odette

 

Die dritte Figur ist Odette. Sie ist die tragische Figur aus dem berühmten klassischen Ballett „Schwanensee“  von Pjotr Iljitsch Tschaikowski. Das Ballett wurde sogar zweimal uraufgeführt: 1877 und in neuer Fassung 1895. Die Musik ist selbst jenen vertraut, die das Ballett noch nie gesehen haben. Die schwungvollen Melodien tragen uns wie auf schwerelosen Schwingen zum Schwanensee. Bekannt ist das Schwanenthema, der Walzer im ersten Akt und nicht zuletzt der Tanz der vier kleinen Schwäne.

In „Schwanensee“ wird ein Märchen erzählt von der in einen Schwan verzauberten Prinzessin Odette, die nur durch die wahre Liebe eines Menschen aus dem Bann des bösen Zauberers Rotbart und ihrer Vogelgestalt erlöst werden kann.

Prinz Siegfried verliebt sich unsterblich in Odette, aber er wird von Rotbart getäuscht: der präsentiert ihm seine Tochter Odile, die Odette zum verwechselt ähnlich sieht.

Siegfried richtet seinen Schwur der ewigen Liebe an die Falsche…

Odette steht für die ehrliche und unschuldige Liebe und für das menschlichen Ideal, dass das Gute das Böse besiegen kann. Nur die wahre Liebe kann aus der Verdammnis und vom Bösen erlösen.

 

Auf Wiedersehen

 

Wenn Sie nächstes mal die Kölner Straße in Erkelenz entlang gehen, werden Sie beim Anblick dieser Skulpturen wahrscheinlich eine Melodie im Sinn - vielleicht sogar auf den Lippen haben.

Dann erfüllt sich das, was sich jede Gästeführerin für ihre Gäste wünscht: Sie sehen, weil sie wissen.

Die vorgestellten Stahlskulpturen sind Teil einer Führung, die ich demnächst über Kunst im Erkelenzer Straßenbild anbieten werde.

Es lohnt sich also auf jeden Fall sich das Jahresprogramm von WESTBLICKE e. V. anzuschauen.

Dort finden Sie noch mehr Führungen, auch die meiner Kolleginnen mit ihren vielfältigen Angeboten in der Region.

 

Auf ein hoffentlich baldiges Wiedersehen

Das Programm 2021

Westblicke - Gästeführung mit Leidenschaft